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Forumsbeitrag

Aus der Traum von der Hahnenseever-bindung und auf bestem Weg zum Reservat?                   

 

„Ein dreifaches Nein gegen die Skigebiete. Der Bund macht den Ausbauplänen der Bergbahnen einen Strich durch die Rechnung“ — so ist in der EP vom 17.4. unter dem Titel „Aus der Traum von der Hahnenseeverbindung!?“ zu lesen. Statt so, hätte man auch „Aus der Albtraum von der Hahnenseeverbindung!“ titeln können. Denn für die Bergbahnen Engadin St. Moritz Mountains AG könnte es finanziell ein Albtraum werden, wenn sie sich mit diesem Projekt durchsetzen könnte. Ebenso für die Corvatschbahn AG, deren erste Sektion von Surlej nach Murtèl wohl Frequenzeinbussen hinnehmen müsste, wenn aus dem Tal ein dritter Zubringer in die Region Corvatsch gebaut würde.

Der Schutzgedanke herrsche hier vor, liest man weiter. Zum Glück, denn sonst wäre die hochgelobte, und in allen Tourismusprospekten inszenierte Landschaft längst auch um die Seen herum total verbaut. Und Neues gebaut wurde ja in den letzten Jahren nicht zu knapp, so mancher Dorfkern wurde zerstört und mit durchschnittlich 60% Zweitwohnungen sind etliche Dörfer eher Ansammlungen beliebiger Zweitwohnungsburgen als Heimat.

 

„Auf bestem Weg zum Reservat“, so der Titel des Kommentars. Das habe ich auch schon gedacht — aber nicht ein Naturreservat, sondern eines für Zweitwohnungsinvestoren, die bauend ihr Schwarzgeld hier waschen konnten. Lange ging es hier oben zu, wie wenn es ein Menschenrecht wäre, jedes Jahr ein paar hundert neue Zweitwohnungen in die Landschaft zu klatschen. Das Resultat sind Dorfbilder, die nichts, aber auch gar nichts mit einem Heimatschutzreservat gemeinsam haben.

 

Der Vergleich der Funktion der Hahnenseebahn mit der neuen Verbindung Arosa - Lenzerheide hinkt gewaltig. Letztere verbindet zwei Skigebiete, deren Talstationen 45km kurvenreiche Strassenkilometer auseinander liegen. Das Corviglia- und das Corvatschskigebiet dagegen sind bereits jetzt bestens verbunden — weitere Bahnanlagen, um sie zu verbinden wären eine krasse Fehlinvestition: Auf der Corvatschseite fährt man seit Jahrzehnten über den Hahnensee nach St. Moritz-Bad runter und besteigt dort die Signalbahn, um ins Corvigliagebiet zu gelangen. Umgekehrt besteigt, wer von da kommt und auf den Corvatsch will, in St. Moritz-Bad den Niederflur-Engadin-Bus, dessen Linien 1 und 6 in der Saison insgesamt vier mal pro Stunde zur Talstation der Corvatschbahn fahren. Sie brauchen dazu nur 12 resp. 15 Minuten. Mit den geplanten Bahnen müsste man oberhalb des Hahnensees umsteigen nach Gian d'Alva und von da runter fahren und mit dem Murtèllift zur Corvatsch Mittelstation rauf. Da ist der Gast, der mit dem Bus gefahren ist, mit nur einem mal umsteigen längst eingetroffen und genehmigt sich Schnipo oder ein Bier.Zwei neue Bahnsektionen braucht nur, wem die Phantasie oder der gesunde Menschenverstand fehlt, um auch einen Bus als Wintersporttransportmittel zu akzeptieren. Das wird heute schon von vielen Gästen so gelebt, wie ich im vergangenen Winter bei Gesprächen im Bus feststellen konnte. Keiner reklamierte, dass es keine Hahnenseebahn gebe. All' die, welche ihr Auto am Morgen in Sils oder Surlej bei einer Talstation parkieren und mit Skis oder Snowboard „oben durch“ bis Celerina fahren, brauchen seit Jahren den Bus, um wieder zu ihrem Auto zu kommen. Die Zürcher unter ihnen haben bestens verinnerlicht, was vor Jahren bei der Kampagne des dortigen Verkehrsverbundes auf dem Tram stand: „Ich bin auch ein Schiff“. Und auf dem Bus: „Ich bin auch eine Bergbahn“.

 

Die Hahnenseebahn ist nicht nur wegen des Landschaftsschutzes ein falsches Projekt, sondern auch ökonomisch gesehen. Die Bahnen beidseits des Tales haben die letzten Jahre Defizite geschrieben — woher sollte denn die Finanzierung zweier Sektionen samt Tal- und Bergstationen und Beschneiungsanlagen für eine Hahnenseebahn kommen? Der Schneesportkuchen ist in den letzten Jahren geschrumpft, und eine unnötige Bahn wird ihn nicht wieder wachsen lassen.

 

Katharina von Salis, Silvaplana